Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Ein Streuner kommt ins Haus

Ganz gleich, ob bereits eine oder mehrere Katzen im Haus sind - wenn man einen Streuner quasi direkt von der Straße ins Haus nimmt, muss er unbedingt gegen Ungeziefer behandelt werden. Am ersten Tag sollte er dann in einem separaten Raum untergebracht werden, der sich gut reinigen lässt. Am besten eignet sich hierfür das Badezimmer. Denn bis das Mittel wirkt und auch der letzte Floh abgetötet ist, vergehen ca. 24 Stunden. In dieser Zeit kann die Katze immer noch den ein oder anderen lebenden Floh oder dessen Eier verlieren, wodurch sich im schlimmsten Fall später eine unangenehme Flohplage entwickeln kann.

Dem kann man vorbeugen, wenn man die Katze erst nach dieser kurzen Quarantänezeit in den Wohnbereich aufnimmt und den Quarantäneraum gründlich reinigt (Staubsauger und Wischeimer reichen völlig aus).

 

Nach diesen 24 Stunden Quarantänezeit quartiere ich meine Gast-Katzen immer in einem Extrazimmer ein. So riskiere ich erstens nicht, dass sie meine eigenen Katzen mit möglicherweise nicht erkannten Krankheiten anstecken. Zweitens haben die Gastkatzen dann die Möglichkeit, sich einigermaßen stressfrei an die neue Umgebung und Situation zu gewöhnen. Drittens zwinge ich sie dadurch, meine Nähe zu ertragen, wenn ich mich im Zimmer aufhalte. Wenn sie ängstlich sind, können sie nicht allzu weit weg laufen und sich vor mir verstecken. Stattdessen verstecken sie sich in meiner Nähe, von wo aus sie mich gut beobachten können. Nach einiger Zeit begreifen sie dann, dass ich keine Gefahr für sie bin.

 

Ganz wichtig: Das Zimmer sollte vorher schon vollständig ausgestattet sein und genügend Versteckmöglichkeiten bieten. Es sollte eine Ecke für die Toilette geben und eine andere Ecke für das Futter.

Es kann sein, dass die Katze tagelang das Futter überhaupt nicht anrührt. Man kann es ihr dann einfach in ihrem Versteck servieren, indem man sich ganz langsam und vorsichtig nähert und den Teller ebenso langsam und vorsichtig an die Katze heran schiebt. Spätestens am fünften Tag im neuen Heim beginnt jeder Streuner zu fressen. Wenn nicht, ist das ein Grund, sich Sorgen zu machen und ggf. das Tier nochmal einem Tierarzt vorzustellen.

 

So wie auf dem Bild sieht momentan mein Gastkatzenzimmer aus. Eigentlich ist es ein ganz normales Zimmer mit Bett, Kleiderschrank und Schreibtisch. Hinzu gekommen sind zwei Kratzbäume, eine Kratztonne, Futterstelle (hier unterm Schreibtisch) und Toilette. Versteckmöglichkeiten gibt es im Schreibtisch (Schublade und rechtes Seitenfach), unterm Bett, in Kratztonne und Kratzbaumhöhle, in der Transportbox (auf dem Schreibtisch) und notfalls auch in der Toilette. Eine absolut wilde Streunerin hat es sogar geschafft, auf den Kleiderschrank zu springen, um sich dort zu verstecken. Für den Toilettengang ist sie aber tatsächlich regelmäßig herunter gekommen.

 

Wenn das Zimmer katzenfrei ist, werden Kratzbäume etc. weg geräumt, so dass der Raum wieder als ganz normaler Wohn- bzw. Schlafraum genutzt werden kann.

 

Die Katzentoilette

Die meisten Streuner finden schon bald die Toilette und verrichten darin artig ihr Geschäft. Um einigermaßen sicher zu gehen, dass das wirklich der Fall ist, kann man, wenn man eine Haubentoilette hat (vorzugsweise zunächst ohne Klappe!), den Neuankömmling direkt von der Transportbox in die Toilette umleiten. Das heißt, Transportbox mit der Öffnung vor die Toilettenöffnung halten, damit die Katze in die Toilette geht. Unter Umständen wird sie dort dann sogar längere Zeit hocken bleiben, weil sie diese "Höhle" als Versteck empfindet.

Sollte die Toilette als solche nicht aktzeptiert werden, kann man es mit anderer Einstreu versuchen. Auf keinen Fall sollte man Streu mit künstlichem Duft verwenden. Für den Anfang eignet sich Naturton-Klumpstreu am besten oder auch Ökostreu aus Holzspänen oder beides gemischt. Man kann auch etwas Blumenerde drüber streuen. Das riecht so, wie die Katze es von draußen kennt, und vermittelt ihr eine Ahnung davon, wozu diese Kiste dort steht.

 

Wenn die Katze ihr Geschäft dennoch nicht dort macht, wo sie soll, kann man eine zweite oder auch eine dritte Toilette dorthin stellen, wo das Tier bevorzugt hinmacht. Und ganz wichtig: die Toilette muss wirklich regelmäßig gesäubert werden, also lieber einmal mehr als weniger.

 

 

Das Spielzeug

In den ersten Tagen wird man die Katze vermutlich gar nicht zu Gesicht bekommen, weil sie sich verängstigt in irgendein Versteck zurückzieht. Man sollte trotzdem immer wieder nach ihr sehen und leise und beruhigend mit ihr sprechen, damit sie sich an die Stimme gewöhnt.

Etwa am dritten Tag beginne ich immer, vorsichtig die Katze zum Spielen zu animieren. Bei jüngeren Katzen klappt das meist hervorragend. Unter Umständen blicken sie stundenlang der Bewegung des Spielzeugs hinterher, ohne auf das Spiel einzugehen. Wenn die Pfoten aber anfangen zu zucken, dauert es nicht mehr lange.

 

Zum Spielen eignen sich am besten lange Bambuszweige, von denen man ein paar Blätte abzwickt, damit der Zweig nicht zu dicht ist. Die rascheln so schön und sind der Katze nicht ganz unbekannt.

Außerdem lieben alle Katzen Gummikordeln. Deshalb habe ich irgendwann angefangen, ein Kombi-Spielzeug zu basteln: ein Filzbällchen an einer Gummikordel (1,5mm dick). Wenn man die Gummikordel durch die Finger dreht, kann man entweder auf der einen Seite das Bällchen in leichte Bewegung bringen. Oder man bringt das Ende der Kordel in Bewegung, die sich dann wie ein Wurm hin und her windet. Das lieben die Katzen, und irgendwann können sie sich nicht mehr zurück halten und müssen einfach hinterher jagen. Man kann die Kordel auch wunderbar unter einem Tuch verschwinden lassen und langsam drunter herziehen. Ein leichter Teppich oder eine kleine Kratzmatte tut es auch.

 

Wenn dann die Katze irgendwann weniger ängstlich mitspielt, kann man ihr das Bällchen zuwerfen und an der Schnur immer wieder zurückziehen.

Ein weiteres wichtiges Utensil ist ein Stab, der als verlängerter Arm benutzt wird, um vorsichtig Körperkontakt zur Katze aufzunehmen. Man kann dafür einen Kochlöffes nehmen, den Stab einer Spielangel o.ä. Effektiver ist ein Stock, der an einem Ende mit Pfeifenreinigern umwickelt wird. So erhält man eine Art Bürste mit einem langen Stiel, mit der sich das Tier nach einiger Zeit u.U. sehr gerne streicheln lässt. Wenn es dann irgendwann einmal anfängt, dabei zu schnurren, kann man die Hand vorsichtig in Richtung streichelndes Ende wandern lassen. Schließlich wird man eines Tages den Stock vorsichtig ablegen und mit der Hand weiter streicheln können. Das heißt aber nicht, dass man fortan immer mit der Hand streicheln darf. Im Allgemeinen muss man jeden Tag wieder neu anfangen und das über einen längeren Zeitraum, bis das Streicheln mit der Hand völlig akzeptiert wird.

 

Da Katzen vor allem nachts munter sind und dann Beschäftigung brauchen, sollte man ihnen auch diverse Bällchen, Fellmäuse o.ä. zum Spielen geben. Viele Katzen spielen auch ganz begeistert mit industrielle gefertigten Schienen, auf denen ein Ball zum Rollen gebracht werden soll. Da ist zum einen eine durchsichtige Plastikschiene mit Löchern durch die die Katze greifen muss, um an den Ball heran zu kommen. Zum anderen gibt es eine Scheibe mit einer Kratzpappe in der Mitte. Außen um diese Pappe herum verläuft eine Rille, durch die ein Ball rollt.