Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Momo kommt zu mir

Momo hatte eigentlich keinen Namen. Er hatte viele Jahre als Streunerkater gelebt und irgendwann in seinem Leben Frau A. gefunden, die ein Herz für Streunerkatzen hatte und ihnen täglich Futter spendierte. Acht Jahre lang kam der Kater täglich zu ihr, bis er zu ihr ins Haus kam und es fortan nicht mehr verließ. Drinnen hatte er es warm und gemütlich, er hatte täglich menschliche Gesellschaft, einen sicheren Schlafplatz und geregelte Mahlzeiten. Zwischendurch bekam er immer mal wieder ein paar Leckerchen, und gegen Kraulen und Streicheln hatte er auch nichts einzuwenden.

Anfang 2012 wurde Momos "Frauchen" schwer krank und konnte sich nicht mehr um ihn kümmern. Leider hatte sie es versäumt dem Kerlchen einen vernünftigen Namen zu geben. Sie hatte ihn immer nur "Schätzchen" gerufen. Als Kosenamen fand ich das ganz in Ordnung. Aber doch nicht als richtigen Namen! Meine Tochter fand, dass "Momo" gut zu ihm passen würde. Und so nannten wir ihn dann auch.

 

An einem Sonntag kam er zu mir und zwar am 14. Mai 2012, um genau zu sein. Ich hatte ihm einen Kratzbaum ins Zimmer gestellt, den Kleiderschrank ausgeräumt und die Tür geöffnet, damit der Kater darin herum klettern konnte, wenn er Lust hätte. Toilette und ein Weidenkorb wurden mitgebracht, damit er sich nicht so ganz fremd fühlte. Lena, die Schätzchen gebracht hatte, öffnete die Transportbox und ließ Schätzchen vor seinem Weidenkorb heraus, damit er sich darin verkriechen konnte. Das tat er aber nicht. Stattdessen knurrte und fauchte er böse und verschwand unterm Bett. Er war nicht nur groß und kräftig – im Gegensatz zu meinen beiden zarten Katzen – sondern auch ziemlich übergewichtig. Insgesamt also eine wirklich stattliche Erscheinung, die zusammen mit den Drohgebärden doch ein wenig furchterregend wirkte. Lena beruhigte mich und meinte, "der tut nur so. In Wirklichkeit ist er ganz lieb und verschmust und hat noch niemanden angegriffen, nicht einmal den Tierarzt".

 

Die ersten drei Tage verbrachte Momo ausnahmslos unterm Bett und verließ sein Versteck nur, um die Toilette aufzusuchen.

Erst danach begann er, normal zu fressen und sich dafür auch zum Futterplatz zu bewegen.

In der zweiten Woche begrüßte er mich dann schon miauend an der Tür und strich mir um die Beine, wenn es Futter gab.

Nach vier Wochen wagte ich den Versuch, Momo die Tür offen zu lassen, damit er Lilly und Mia kennen lernen konnte und umgekehrt. Von nun an konnt der Kater sich in der ganzen Wohnung bewegen.

Leider konnten sich Lilly und Mia überhaupt nicht für den neuen Hausgenossen begeistern. Sobald er sich näherte ergriffen sie die Flucht. Momo flößte ihnen eine solche Angst ein, dass sie sie sich in seinem Beisein nur in der Höhe aufhielten - in Regalen, auf Schränken, Tischen, Sesseln oder der Sofalehne. Denn dorthin folgte Momo ihnen nicht.

Momo entpuppt sich als alt und krank

Dass Momo schon sehr alt war, wusste ich wohl. Sein genaues Alter war unbekannt; geschätzt wurde er auf 13 bis 15 Jahre.

Da er sich wenig bewegte und überhaupt nicht sprang oder kletterte, außerdem die Treppe mehr hinunter humpelte als ging, entschloss ich mich, ihn meiner Tierärztin vorzustellen. Und siehe da: sein Alter und das lange Leben draußen hatten ihm schwer zu schaffen gemacht: er litt an Arthrose in der Wirbelsäule, und seine drei letzten Zähne waren auch nur noch Ruinen. Nur die regelmäßige Verabreichung eines Schmerzmittels konnte ihm noch ein angenehmes Leben ermöglichen. Und tatsächlich begann der alte Kater regelrecht aufzublühen, als er das Mittel bekam. Er wurde beweglicher, begann zu spielen, jagte meinen Katzen hinterher ...

Momo zieht um

Gut fünf Monate lebte Momo bei mir. Weder bestand Aussicht darauf, dass er zurück in sein altes Zuhause gehen könnte, noch gab es Interessenten, die ihn bei sich aufnehmen wollten. Bei mir bleiben konnte er auch nicht. Erstens tat ihm das Treppensteigen und -hinuntergehen nicht gut. Zweitens machte es mich sehr unglücklich, dass meine eigenen Katzen Schränke, Regale etc. nur noch im Notfall verließen, weil sie solche Angst vor dem dicken Kater hatten.

Schließlich fand sich eine Lösung.

Meine Tochter hatte eine Wohnung gefunden, in der sie mit einer Freunding zusammen wohnen wollte. Dort war genug Platz für den Kater, und was könnte es Schöneres für ihn geben, als inmitten einer Frauen-WG verwöhnt und verhätschelt zu werden?

(Inzwischen sind es sogar drei Frauen, mit denen er sich die Wohnung teilt.)

 

Zwar fiel ihm die Umstellung sehr schwer. Gut vier Monate verbrachte er ausschließlich im Zimmer meiner Tochter und hauptsächlich dort unterm Bett. Dann kam aber doch der Tag, an dem er auch die übrigen Räumlichkeiten für sich entdeckte, und Besuch von fremden Menschen fand er bald gar nicht mehr so schlimm sondern mischte sich sogar unter die Gäste. Und seitdem ein gemütliches Sofa in der Küche steht, ist dies Momos erklärter Lieblingsplatz - neben dem kuscheligen Bett, versteht sich.

(Galerie-Fotos aufgenommen von Ch. Schlüter)

Da Momos Gesundheitszustand sich Ende des Jahres 2014 erheblich verschlechterte, wurde er am 30.12.2014 von seinen Qualen erlöst.