Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Eine wilde Bestie!??

Gerade aus dem Urlaub zurück, wurde ich zu einem Notfall gerufen: an einer Aldi-Filiale streunte ein junger Kater herum, der von Mitarbeitern und einigen Kunden dort gefüttert wurde. Gerade hatte eine Kundin ein Gespräch von zwei jungen Mädchen mitbekommen, die sich verabredeten, den Kater dort nachts weg zu holen. Da die beiden Mädchen nicht besonders vertrauenswürdig zu sein schienen, meinte diese Kundin, es wäre besser, ihnen zuvor zu kommen. Also rückte ich mit meiner Zugfalle aus und konnte den Kater innerhalb weniger Minuten einfangen. Da er mir keinen besonders wilden Eindruck machte, allerdings auch nicht ganz gesund aussah, verbrachte er die Nacht bei mir, und am nächsten Tag (Samstag) wollte ich ihn tierärztlich untersuchen lassen, was jedoch in einer mittleren Katastrophe endete.

Bevor die Sprechstundenhilfe noch richtig zugreifen konnte, entschlüpfte ihr der Kater, ging zunächst die Wand hoch und fegte durch die ganze Praxis. An Untersuchen war gar nicht zu denken. Ich sollte ihn also erst einmal ins Tierheim bringen, und am Montag würde sich die Ärztin ihn während der Visite ansehen. Auch das gelang jedoch nicht. Mir wurde dann gesagt, das Tier sei wild, absolut nicht händelbar. Es sei jedoch nichts Auffälliges festzustellen, und ich sollte den Kater wieder aussetzen.

Da die Fütterung an einem Lebensmittelladen für längere Zeit nicht geduldet worden wäre, es jedoch auch keine Futterstelle in der Nähe gab, war für mich das Wiederaussetzen absolut ausgeschlossen. Es musste eine andere Lösung her.

Mittlerweile hatte ich herausgefunden, dass der Kater als Streuner vom Katzenschutzvervein Dortmund kastriert worden war. Die Beverstraße, wo wir erst kurz zuvor die letzen zurück gebliebenen Katzen einer Animalhoarderin weg gefangen hatten, liegt nicht weit von dieser Aldi-Filiale entfernt. Es ist also gut möglich, dass auch dieser Kater noch ein Überbleibsel aus diesem Fall ist. Das heißt, er wäre dort unversorgt, wenn man ihn wieder aussetzen würde. Deshalb nahm ich ihn erst einmal mit zu mir.

Kater "Aldi" fauchte mich zwar immer mal ein bisschen an, machte aber insgesamt einen neugierig aufgeweckten und lieben Eindruck. Als sich ein Interessent meldete, der ihm eine große Wohnung mit großem Balkon bieten wollte, hielten wir es für eine gute Idee, das zumindest einmal zu versuchen.

Aldi fraß mit gutem Appetit und ging brav auf seine Katzentoilette. Aber er miaute Tag und Nacht, schien sich also nicht wirklich wohl in seinem neuen Zuhause zu fühlen.

Eine bessere Lösung für seine Unterbringung hatte ich leider immer noch nicht. Wieder nahm ich Aldi mit zu mir. Aus Platzmangel - in einem Zimmer wohnte Katze Minou, in dem anderen drei kranke Kitten - musste der Kater zunächst im Käfig sitzen. Gott sei Dank nur bis zum Abend. Dann konnte ich nämlich Minou bei einer Freundin unterbringen, so dass Aldi ein ganzes Zimmer für sich allein bekommen konnte. Und das war auch gut so.

Ich konnte nämlich feststellen, dass er wohl tatsächlich ein geborener Streuner ist. Aber wild ist er auf keinen Fall. Er ist ein bisschen ängstlich, weil er das Leben in der Wohnung nicht kennt. Deshalb muss er auch ein bisschen fauchen. Aber wenn ich mit ihm spiele, wälzt er sich behaglich auf dem Boden, und dann lässt er sich auch liebend gern mit der Bürste kraulen. Vor dem direkten Kontakt mit der Hand hat er noch ein wenig Angst. Aber wirklich nur ganz wenig. Aus Versehen drückt er sich immer mal wieder mit dem Köpfchen dagegen. Mit der Zeit wird er seine Angst komplett abbauen, da bin ich ganz zuversichtlich.

Und ein schönes neues Zuhause hat er bereits in Aussicht. In einer Woche wird er in ein Gartenhaus ziehen. Wenn er dort festgesetzt wurde, kann er selbst entscheiden, ob er später in die Wohnung kommen oder lieber draußen leben möchte.