Ein Herz für Streuner
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Gebt Streunern ein Zuhause!

Aufnahmestopp

Rettung aus der Tötung

Zwischendurch, wenn die Katzenlage im Ruhrgebiet etwas ruhiger ist, hole ich zusammen mit zwei Freundinnen immer mal wieder Streuner aus der Tötung von Mallorca, um sie in Deutschland zu vermitteln.

Auch wenn das Elend der Streuner in Deutschland z.T. noch so groß ist - es ist nichts im Vergleich zu dem, was den Katzen in Spanien/Mallorca widerfährt. Dort wird alles von der Straße aufgelesen, was möglich ist, und in die örtlichen "Tierheime" gesteckt, was für die Tiere einem Todesurteil gleichkommt. Dabei ist es egal, ob die Katzen Besitzer haben oder nicht. Was eingefangen wird, bleibt für ca. einen Monat im Heim und wird dann getötet, wenn es nicht vorher abgeholt wird.

 

Olaf und Miet sind zwei solche Todeskandidaten. Für sie war die Zeit bis zur Tötung fast verstrichen. Eine spanische Freundin holte die beiden zusammen aus Natura Parc. Gelandet waren sie dort, weil sie ihr Zuhause durch eine Räumungsklage verlassen mussten.

 

Als sie dem Tierarzt vorgestellt wurden, stellte man fest, dass sie in ganz schlechtem Zustand waren: beide waren Träger des Calicivirus, der bei Miet einen starken Schnupfen ausgelöst hatte. Zudem hatte sie eine Blasenentzündung und eine eitrig entzündete Gebärmutter, die sofort entfernt werden musste.

Olaf hatte einen innenliegenden Hoden, der entfernt werden sollte. Als bei der OP der Bauchraum aufgeschnitten wurde, fanden die Ärzte eine so stark entzündete und veränderte Niere vor, dass diese sofort entnommen werden musste. Für die Entfernung des Hodens wäre nun noch eine zweite OP nötig gewesen. Diese war jedoch nicht möglich, da Olaf in so schlechtem Zustand war, dass er die Narkose nicht überlebt hätte.

 

Erst nach mehreren Wochen waren beide Katzen so weit hergestellt, dass sie die Reise nach Deutschland antreten konnten.

Spindeldürr kamen die beiden bei mir an. Während Miet von Anfang an sehr zutraulich war, präsentierte sich Olaf regelrecht als "grumpy cat". Er versteckte sich im Schreibtisch oder auf dem Schrank und knurrte fast ohne Unterlass. An Anfassen war überhaupt nicht zu denken. Selbst Angucken war ihm schon zuviel.

 

Nach ca. sechs Wochen traute er sich endlich zum ersten Mal in meiner Gegenwart aus seinem Versteck. Von da an kamen wir uns immer näher.

Vorsichtig begann er mit der Angel zu spielen. Doch erst, als ich Baldriangeruch an den Händen hatte, begann er, seinen Kopf daran zu reiben, und dann verlor er auch allmählich seine Scheu so weit, dass ich ihn bürsten konnte.

 

Inzwischen sind über drei Monate vergangen. Olaf ist ein total anhänglicher Schmusekater geworden. Da beide Katzen aber Virusträger sind und immer bleiben werden, war es bisher unmöglich, sie zu vermitteln. Erschwerend kommt hinzu, dass Olafs zweite Niere nicht gesund ist, so dass er nur noch ein sehr kurzes Leben vor sich hat.

Infolgedessen ist mein Katzenzimmer nun vorerst besetzt, und es herrscht absoluter Aufnahmestopp. Denn als Virusträger kann ich die beiden nicht mit ungeimpften Artgenossen zusammen setzen.

 

Die Entscheidung

Was macht man nun mit einem Kater, der vielleicht nur wenige Monate zu leben hat?
Wenn er noch einmal umziehen würde, müsste er sich wieder auf fremde Menschen und eine fremde Umgebung einstellen. Das heißt: wieder erhöhter Stress, wieder von vorn anfangen.

Also habe ich mich entschlossen, das Kerlchen lieber bei mir zu behalten. Meine eigenen Katzen sind geimpft, so dass das Risiko einer Ansteckung minimal ist. Und Olaf ist vom Charakter her so zurückhaltend, dass eine Zusammenführung sicherlich gut klappen wird.

 

Miet hat ein Zuhause in Einzelhaltung mit Freigang in Aussicht. Sollte es mit der Vermittlung wider Erwarten doch nicht klappen, wird sie ebenfalls bei mir bleiben. Dann können die beiden die gesamte Wohnung nutzen, und im nächsten Jahr ist das Katzenzimmer wieder frei für Neuaufnahmen.