Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Rufus und Francis

im Schreibtisch versteckt

Ein paar Tage, nachdem ich Patty und Sally bei mir aufgenommen hatte, kam ein kleiner Kater von einer anderen Fangstelle hinzu: der rote Rufus. Er war noch etwas jünger als die beiden Mädels, und vor allem war er noch sehr, sehr scheu und ängstlich. Als ich ihn aus der Transportbox befreite, rannte er sofort unters Bett und suchte Schutz hinter Patty und Sally, die es sich dort bereits gemütlich gemacht hatten. Die beiden Mädels hatten auch überhaupt nichts gegen Rufus' Gesellschaft. Es gab kein Gefauche, kein Geknurre - es war, als wären die drei schon immer zusammen gewesen.

 

Noch ein paar Tage später gelang es mir auch endlich den Bruder von Patty und Sally einzufangen. Er entdeckte sofort das Versteck in meinem Schreibtischfach. Das hatte zwar bereits Rufus in Beschlag genommen. Aber erstens gab es darin ja zwei Etagen. Zweitens fühlt man sich in Gesellschaft schon gleich viel sicherer. Und so hockten die beiden Jungs vom ersten Tag an immer zusammen, und es entstand eine richtig dicke Katerfreundschaft.

Im Gegensatz zu Patty und Sally waren die beiden Katerchen wirklich sehr ängstlich und scheu. Irgendwann hielt es Rufus doch nicht mehr aus und konnte einfach nicht mehr still halten, als ich mit den Mädels spielte und die beiden wild durchs ganze Zimmer tobten. Da traute Rufus sich dann doch mal raus aus seinem Versteck und begann mitzuspielen.

Francis schaute lieber aus sicherer Entfernung zu. Auch er verließ bald sein Versteck, um einen besseren Überblick über das Geschehen zu haben. Aber mitspielen wollte er nicht.

Erst als Patty und Sally vermittelt waren, konnte ich Francis zum Mitspielen bewegen. Offensichtlich ist er aber von Natur aus eher ein ruhiger, gemütlicher Typ. Er hat mich noch nicht ein einziges Mal angefaucht. Er schlägt mich auch nicht mit der Kralle. Wenn ihm etwas nicht passt, dreht er sich um und geht ein Stückchen weg, bleibt dann sitzen und guckt, was passiert. Aber immer ganz gemächlich. Dass er fluchtartig sprintet, habe ich selten erlebt.

 

Mit mir spielt Francis vorzugsweise liegend oder auch sitzend. Dann angelt er gerne nach einer Schnur. Richtig toben mag er aber lieber zusammen mit seinem Kumpel. Vorzugsweise nachts, wenn es im Haus ruhig ist.

 

Eigentlich sollte Francis zu einem anderen Kater vermittelt werden, und Rufus sollte zu zwei anderen Katzen ziehen. Da sich aber herausstellte, dass der andere Kater sich mit Katern nicht verträgt, und wegen Rufus Bedenken aufkamen, dass der Kleine zwischen den beiden anderen Katzen untergehen und nicht richtig zutraulich werden würde, ist aus der Vermittlung nichts geworden. Und das ist auch gut so. Denn inzwischen hat sich zwischen den beiden Jungs eine so dicke Freundschaft entwickelt, dass ich sie nicht mehr trennen möchte.

Ende Mai sind die beiden Kumpels in eine Männer-WG in Herdecke gezogen. Dort werden sie noch einige  Zeit brauchen, bis sie sich richtig zuhause fühlen. Und wenn der Balkon dann abgesichert ist und sie von dort aus den Ausblick ins Grüne genießen und sich den Wind um die Nase wehen lassen können, dann werden sie ein richtig tolles Katerleben führen.