Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Anneli, Caruso und Enrico

Die insgesamt zehn Katzenkinder, die es einzufangen galt, waren an unterschiedlichen Stellen versteckt. An der Rückseite des Wohnhauses befand sich eine Treppe, unter welcher drei Geschwister vermutet wurden. Sie waren jedoch so scheu, dass es schwierig war, sie einzufangen. Wir benötigten mehrere Versuche, bis schließlich wieder alle drei zusammen waren - in meinem Gästezimmer.

Als erste kam Caruso zu mir. Ihm folgte seine Schwester Anneli, und danach Bruder Enrico. Alle drei sahen sich so ähnlich, dass ich sie kaum voneinander unterscheiden konnte. Nur ihr Verhalten verriet mir, wen ich vor mir hatte. Die beiden Brüder hockten immer zusammen, Anneli war da ein bisschen außen vor. Und Caruso war etwas vorwitziger. Er fauchte jedesmal, sobald ich das Zimmer betrat, und verließ auch schon mal sein Versteck, während Enrico sich immer nur ängstlich verkroch.

 

Anneli direkt nach ihrer Ankunft ...
... und einige Tage später

Da schon bald weitere Stellen gemeldet wurden, wo es galt, Jungtiere einzufangen, bevor wir überhaupt die Aktion in Querenburg beendet hatten, ergab sich das Problem: wohin mit all den Tieren? Ich konnte nicht zehn Jungkatzen zusammen in einem einzigen Zimmer unterbringen. Ich konnte und wollte sie aber auch nicht im ganzen Haus verteilen. Dazu fehlen mir die Räumlichkeiten.

In der Not wurden weitere Pflegestellen gesucht und gefunden: Enrico und Caruso wechselten zusammen die Pflegestelle. Anneli zog in eine andere Pflegestelle, von wo aus sie auch bald in ein festes Zuhause vermittelt werden konnte.

 

Anneli in ihrer Pflegestelle ...
... und später im neuen Zuhause

Enrico und Caruso hatten leider nicht so ein Glück wie ihre Schwester.

Da die beiden Brüder in ihrer neuen Pflegestelle überhaupt keine Fortschritte machten, sondern sich nur versteckten, holte ich sie wieder zurück zu mir, als mein Gästezimmer wieder frei war, um ihre Entwicklung besser einschätzen zu können. Zwar waren die beiden auch bei mir sehr scheu gewesen. Aber ich war davon ausgegangen, dass sie ihre Scheu allmählich ablegen würden, zumal Caruso bei mir bereits Interesse für die Spielangel gezeigt hatte.

Ein paar Wochen ließ ich den Jungs Zeit. Da Enrico sich jedoch weiterhin immer nur von einem Versteck ins nächste flüchtete, sah ich keine Chance, ihn jemals vermitteln zu können. Bei mir würde er jedoch auch nicht bleiben können. Also nahm ich ihn, als er alt genug war, mit zum Kastrieren und brachte ihn anschließend wieder zurück auf den Hof, wo er geboren worden war. Es tat mir zwar sehr leid. Aber ich tröstete mich damit, dass er in Freiheit vermutlich glücklicher war, und er bekam Futter und hatte genügend Unterschlupfmöglichkeiten.

Wegen Caruso hatte ich ebenfalls Bedenken, ob ich ihn jemals würde vermitteln können. Jedesmal, wenn ich ins Zimmer kam, begrüßte er mich mit Fauchen und Spucken - diese Angewohnheit wollte er einfach nicht ablegen. Aber immerhin spielte er mit mir, und er war ein ganz toller Kumpel gegenüber Artgenossen. Jede weitere Pflegekatze - ob Männchen oder Weibchen - wurde freundlich von ihm aufgenommen.

Bei mir lebte er noch zusammen mit Pünktchen, Fluse und Rosie, bevor er nach deren Vermittlung allein bei mir zurück blieb.

 

Als Einzelkater machte Caruso dann jedoch Riesenfortschritte. Er kam richtig aus sich heraus, tobte der Spielangel durchs ganze Zimmer hinterher und setzte sich sogar zu mir aufs Bett. Deshalb dachte ich, es wäre der richtige Zeitpunkt gekommen, ihn in ein festes Zuhause abzugeben, als sich ein Interessent bei mir meldete.

 

Warum, wieso, weshalb ... ? - Alles schien zu passen: ein schönes, katzenerfahrenes Zuhause, eine Katze als Gefährtin ... Aber es sollte wohl nicht sein.

 

Nach einer Woche im neuen Zuhause erhielt ich die Nachricht, dass Caruso offensichtlich nicht frisst und auch die Toilette nicht benutzt. Ob das vom ersten Tag an bereits so war oder erst später angefangen hatte, konnte man nicht mit Sicherheit sagen. Abends hatte ich diese Nachricht bekommen und wollte Caruso bereits am nächsten Tag wieder abholen. Den nächsten Tag hat er leider nicht mehr erlebt. Ich habe ihn trotzdem abgeholt und in meinem Garten begraben. Und ich kann es immer noch nicht fassen.