Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Der kleine Tiger vom Autohof

Im Nachhinein betrachtet, war die Aktion mit Tigger besonders traurig, weil es wieder einmal keine Möglichkeit gab, die Tiere von der Futterstellt, wo der Kleine eingefangen wurde, bis zur Vermittlung in einer Pflegestelle unterzubringen.

 

Tigger stammt aus einer achtköpfigen Katzenkolonie, die in einem Bochumer Industriegebiet lebt. Als ich dort mit dem Fangen begann, hatte ich selbst gerade keinen Platz für die Unterbringung der ersten  Tiere. Deshalb musste ich sie wieder aussetzen. An dem Tag, als Tigger in die Falle ging, fing ich auch eine weibliche Katze ein, die eine etwas schwerere Operation über sich ergehen lassen musste und sich danach noch ein bis zwei Wochen erholen sollte, bevor sie wieder ausgesetzt würde. Da das Alter des kleinen Katers auf nur sechs bis 8 Monate geschätzt wurde, wollte ich versuchen, ihn zu zähmen und zu vermitteln und nahm die beiden Tiere zusammen in mein Gästezimmer auf.

Wie zu erwarten versteckten sich Tigger und die erwachsene Katze, die ich nun Trixie nannte, in den ersten Tagen nur - natürlich vorzugsweise in meinem Schreibtisch. Zum Spielen konnte ich den kleinen Kater aber schon sehr bald aus seinem Versteck hervor locken. Es sah also alles ganz gut aus.

Trixie wurde nach einer Woche wieder zurück zur Fangstelle gebracht. Dafür nahm ich ihre Mutter auf, nachdem sie kastriert wurde, da sie an der Fangstelle so zutraulich war, dass sie sich sogar streicheln ließ, und ich deshalb hoffte, sie vermitteln zu können.

Leider konnte sich diese Mutterkatze für ein Leben in der Wohnung ebenso wenig begeistern wie ihre Tochter Trixie. Außerdem war sie immer sehr unfreundlich gegenüber Tigger. Natürlich fand sich auch so schnelle niemand, der ihr ein Zuhause gegeben hätte. Also brachte ich die Katze ebenfalls wieder zurück, und Tigger hatte nun das Gästezimmer für sich allein.

Von nun an wurde Tigger von Tag zu Tag zutraulicher. Beim Spielen kam er mir immer näher, krabbelte über meine Beine und schreckte vor Berührungen bald überhaupt nicht mehr zurück. Damit er sich aber nicht so einsam fühlte, stellte ich ihm meinen Kater Pablo vor. Der wurde ganz begeistert empfangen. Die Beiden fraßen und spielten zusammen. Für Pablo schien das eine willkommene Abwechslung zu sein. Denn zwei Kater spielen doch ganz anders miteinander als Kater und Katze - irgendwie wilder.

Nach vier Wochen Aufenthalt bei mir hatte sich Tigger nicht nur mit meinem Pablo angefreundet. Er war auch richtig zutraulich geworden, ließ sich ausgiebig kraulen und bürsten und gelegentlich sogar hochnehmen. Einer Vermittlung stand also nichts mehr im Weg.

 

Ende April konnte Tigger in sein neues Zuhause in Bünde ziehen, wo er nun zusammen mit einem etwa gleichaltrigen Kater lebt und draußen im Grünen herumtollen kann.

 

Tiggers Schwester

 

 

Das eigentlich Traurige an der Geschichte ist, dass Tiggers Schwester zu den Katzen gehört, die ich wieder aussetzen musste. Später wurde noch mehrmals versucht, sie ein zweites Mal einzufangen, um sie evtl. noch zusammen mit ihrem Bruder zu vemitteln. Aber wenn eine Katze bereits Bekanntschaft mit der Falle gemacht hat, ist es meist sehr schwierig, sie noch einmal einzufangen. Deshalb wird sie nun wohl leider als Streunerin leben müssen.