Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Langes Warten wird belohnt

Sina war eines von zwei Jungtieren aus Dahlhausen. Ihr Geschwisterchen tauchte irgendwann nicht mehr an der Futterstelle auf. Was aus ihm geworden ist, weiß niemand. Nur Sina kam jeden Abend fröhlich hinter ihrer Mutter hergesprungen, wenn es Essenszeit war. Sie machte einen sehr selbstbewussten Eindruck, lief schonmal vor, begrüßte dann freundlich einen alten Kater, der meist zur gleichen Zeit an der Futterstelle eintraf, und fraß mit ihm aus demselben Napf.

 

Wochenlang fuhren meine Freundin und ich immer wieder zu dieser Stelle, um das Jungtier einzufangen. Da war aber nichts zu machen. Die Kleine lief hin und her, um die Falle herum, fraß das was davor lag, und weg war sie wieder. Ich selbst rechnete schon gar nicht mehr damit, dass der Fang doch noch gelinen würde. Und dann hatte ich mal keine Zeit, mit zu fahren, da schaffte Claudia es endlich und brachte mir die Kleine.

 

In diesem Fall hatte sich der ganze Aufwand, das lange Warten wirklich gelohnt und zwar in mehrfacher Hinsicht: erstens glückte schließlich das Fangen, zweitens gelang es doch noch irgendwann, Sinas Zutrauen zu gewinnen, drittens mussten ihre neuen Besitzer länger auf sie warten als geplant, bekamen dafür aber eine ganz tolle Schmusekatze.

 

Sina und Finja

Zu Finja fühlte sich Sina offensichtlich am meisten hingezogen. Die Beiden wurden richtig gute Freundinnen. Mir gegenüber blieb Sina noch lange sehr scheu. Es dauerte zwar nur wenige Tage, bis sie sich mit einem Stock streicheln ließ und dabei laut schnurrte. Aber dass sie mir nicht wirklich trauen wollte, zeigte sie durch ihre ganz eigene Abwehrhaltung: nicht nur, wenn ich ihr zu nahe kam, fauchte sie mich an. Selbst wenn ich nur durch die Zimmertür kam, um Futter zu bringen, kam sie mir fauchend entgegen gesprungen. Als ob sie der Meinung wäre, Fauchen wäre die richtige Begrüßung, sprang und tanzte sie um mich herum, wenn ich die Futterschüsseln auf den Boden stellen wollte, und fauchte dabei ununterbrochen.

 

Sina spielt
Sina mit Finja im Schreibtisch

 

Etwa drei Wochen, nachdem Sina zu mir gekommen war, ging es mit Sinas Entwicklung schlagartig voran. Mit Millie hatte ich eine weitere Streunerin aufgenommen, die aber völlig unkompliziert war. Sie war schon einige Wochen älter als Finja und Sina und überhaupt nicht scheu. Es war, als ob Sina sie genau beobachtete und von ihr lernte. Denn als ich auf dem Bett saß und Millie zum Kuscheln zu mir kam, sprang Sina auf einmal hinterher, beschnupperte mich ausgiebig und kuschelte sich schließlich zum Schlafen an meine Beine, während Millie auf der anderen Seite lag und sich von mir laut schnurrend kraulen ließ.

Millie blieb allerdings nicht lange. Da sie eine Katze zum Verlieben war, konnte ich sie ganz schnell vermitteln. Und wieder blieben Finja und Sina allein zurück.

 

Weil aber auch Sina eine ganz Süße war, fanden sich bald zwei ganz liebe Interessentinnen für sie. Und dann erlebte ich ein kleines Wunder: während Sina zurückgezogen im Schreibtisch lag, hielt die Interessentin ihr die Hand zum Beschnuppern vor die Nase. Zwar wurde sie sogleich angefaucht. Aber trotzdem ließ Sina sich ohne Weiteres anfassen und streicheln und kraulen und schnurrte dabei, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre.

 

Von dem Moment an wurde Sina von Tag zu Tag zutraulicher. Sie kam nicht nur zum Schmusen zu mir, sondern ließ sich sogar auf den Arm nehmen. Dafür, dass sie anfangs extrem scheu gewesen war, empfand ich das als richtige Sensation. Dafür hatte sich die ganze Mühe wirklich gelohnt.

 

 

Ich war schon ziemlich traurig, als ich mich von der Kleinen trennen musste. Aber im neuen Zuhause wartete ein Kater auf sie, sie bekam Freigang und ganz liebe neue Familie.

 

Sinas Umzug bedeutete aber nun nicht, dass Finja nun einsam zurück bleiben musste. Da waren ja noch die drei kleinen Birmchen, die in der Zwischenzeit dazu gekommen waren.