Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Vier Geschwisterchen

Am Wattenscheider Hellweg lebte bereits seit Jahren eine junge Streunerin im Garten einer tierlieben Familie. Die Katzendame fühlte sich dort zuhause, strich der Hausherrin um die Beine und spazierte wie selbstverständlich ins Haus, wenn die Tür offen stand. Anfassen und streicheln ließ sie sich jedoch nicht. Wer es versuchte, bekam meistens ihre Krallen zu spüren.

 

Einmal hatte diese Katze bereits Nachwuchs bekommen, der auch gut vermittelt werden konnte. Trotz mehrmaliger Versuche war es aber nicht gelungen, die Katze einzufangen. Im Gegenteil: eines Tages brachte sie wieder Nachwuchs mit in den Garten. Vier kleine Kätzchen folgten ihr im Schlepptau zum Fressnapf.

Frodo

Als die Jungtiere alt genug waren, wurden die Bemühungen verstärkt. Jeden Abend wurde die Falle aufgestellt, bis die Mutterkatze endlich hinein tappte und kastriert werden konnte. Danach sollten die Welpen eingefangen und vermittelt werden.

 

Anfangs ging es relativ zügig. Das erste "Opfer" war Frodo, der einzige Kater des Wurfs. Zwei Tage später wurde seine Schwester Frida eingefangen. Dann passierte gut zwei Wochen lang überhaupt nichts mehr. So eine Katze ist ja nicht dumm und merkt sehr wohl, wenn ihre Jungen verschwinden. Deshalb brachte sie die letzten beiden voerst nicht mehr mit. Da hieß es nun: hoffen und abwarten.

 

Bruder und Schwester

Frodo und Frida wurden zunächst in meiner Quarantänestation - also im Gäste-WC - einquartiert, da sie Flöhe und Zecken hatten, die beseitigt werden sollten, bevor die Beiden ins Gästezimmer umziehen durften.

 

Da ihre Mutter sie nur immer dann mitgebracht hatte, wenn sich kein Mensch im Garten aufhielt, hatten die Geschwisterchen Menschen nicht kennen gelernt und waren entsprechend ängstlich. Wenn ich die Tür zum Gäste-WC öffnete, saßen die Beiden meist am Fenster und knurrten und fauchten mich an. Dabei legten sie allerdings nicht die Ohren an, wie es im Jahr zuvor Pepe/Pablo getan hatte, sondern sie richteten die Ohren aufmerksam nach vorne, schienen also zwar ängstlich aber auch neugierig/interessiert zu sein.

 

Zum Schlafen bevorzugten alle Beide das Waschbecken.

 

Frodo
Wer ist wohl wer???
ängstliche Blicke
Frida

 

Nach vier Tagen brachte ich Frodo und Frida ins Gästezimmer. Es dauerte noch eine gute Woche, bis Frodo sich traute, sein Versteck in meiner Schreibtischschublade zu verlassen und sich in meiner Gegenwart im ganzen Zimmer zu bewegen. Er wagte es sogar, ein paar Schritte auf mich zu zu laufen und an meinem Finger zu schnuppern. Frida hingegen blieb eisern in der Schublade sitzen, bis ich das Zimmer verlassen hatte. Mit großen Augen sah ich sie immer über den Rand ihres Verstecks hinaus gucken. Das war aber zunächst auch alles.

 

Eigentlich war es ganz nett mit den Beiden. Einerseits wartete ich zwar ungeduldig darauf, dass ihre Geschwisterchen endlich eingefangen würden. Andererseits drängte es mich nicht danach, vier Katzenkinder im Gästezimmer unterzubringen. Es war schon aufwendig genug, zwei kleine Streunerchen zu zähmen.

 

Und dann ergab es sich, dass ich einen völlig ungeplanten Zuwachs bekam: die kleine Sushi.