Ein Herz für Streuner
Ein Herz für Streuner
Gebt Streunern ein Zuhause!

Nur noch zu dritt - aber nicht lange

Flocke

Flocke und Finja waren die letzten beiden der vier Geschwisterchen vom Wattenscheider Hellweg. Sie wurden erst eingefangen, nachdem ich bereits Sushi als dritte Jungkatze zu mir in Pflege genommen hatte.

 

Gut einen Monat, nachdem Frida und Frodo zu mir gekommen waren, waren Frodo und Sushi auch schon wieder fort, und Finja und Flocke verkrochen sich noch immer. Sie waren ja auch noch nicht ganz so lange bei mir. Da begann Frida auf einmal, ihre Scheu mehr und mehr abzulegen. Sie spielte ausgelassen mit mir, kam mir immer näher und ließ sich auch anfassen und ausgiebig kraulen, sogar am Bauch.

 

Allmählich konnte ich auch Flocke zum Spielen bewegen. Nur Finja guckte sich alles lieber aus sicherer Entfernung an. Ich war mir aber sicher, dass auch sie irgendwann mitmischen würde und ging davon aus, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis ich alle drei vermitteln könnte.

 

Wieder kam ein Anruf dazwischen. Meine Freundin Claudia hatte in Dahlhausen das Jungtier eingefangen, für welches wir schon seit Wochen immer wieder erfolglos die Falle aufgestellt hatten. Es war etwas jünger als Frida, Flocke und Finja, passte also eigentlich ganz gut in diese kleine Truppe. Also durfte auch dieses kleine Bündel im Gästezimmer einziehen - natürlich nicht, ohne vorher in Quarantäne gewesen zu sein. Die tierärztliche Untersuchung hatte ergeben, dass es sich ebenfalls um ein Weibchen handelte. Ich nannte es Sina.

 

Nach dem üblichen Kennenlern-Prozedere, wo gefaucht, geknurrt, gebuckelt und notfalls ein bisschen gehauen wird, wurde Sina gut in die Gruppe integriert, und bald freundete sich sehr gut mit Finja an. Sina war noch sehr scheu und knurrte, fauchte und spuckte sogar, wenn ich ihr zu nahe kam. Sie versteckte sich in der ersten Zeit nur und lag gerne mit Finja zusammen in irgend einer Ecke. Finja war zwar nicht mehr ganz so scheu. Aber sie war sehr zurückhaltend, ließ sich absolut nicht anfassen und wollte einfach nicht zutraulich werden.

 

Die Schwestern werden getrennt

Flocke und Frida spielten und tobten viel zusammen, und auch Flocke ließ sich hin und wieder anfassen. Deshalb entschloss ich mich, die Beiden zusammen zu vermitteln. Eine Familie mit zwei Kindern wollte die beiden Schwestern aufnehmen. Mit Frida bekamen sie ja nun schon eine Schmusekatze. Und mit viel Geduld würde die Familie auch aus Flocke eine Schmusekatze machen. Man musste sich nur viel mit ihr beschäftigen.

Finja mit Millie

Eines schönen Wochenendes verließen also Flocke und Frida die Katzenkinderstube, und Finja und Sina blieben allein zurück. Es dauerte aber nicht lange, dann kam Millie dazu, und sie waren wieder zu dritt. Millie wurde schon bald vermittelt, da waren sie wieder zu zweit. Kurz danach zogen drei Birmamix-Schwestern zu Finja und Sina ins Gästezimmer. Für sie fanden sich sehr schnell Interessenten, und auch auf Sina wartete schon ein neues Zuhause.

 

So erlebte Finja also ein ständiges Kommen und Gehen von Katzen. Im Umgang mit Artgenossen war sie absolut unkompliziert. Neuankömmlinge wurden zwar erst einmal angefaucht. Aber schon nach wenigen Tagen wurde Freundschaft geschlossen, und Finja teilte sich den Schlafplatz mit einer der anderen Katzen. Im Gegensatz zu ihr dauerte es bei Sina länger als eine Woche, bis sie sich an die Neuen gewöhnt hatte und sie akzeptierte.

 

 

Nur mir gegenüber blieb Finja absolut stur und machte überhaupt keine Fortschritte. Sie spielte wohl mit mir. Aber an Anfassen oder gar Streicheln war überhaupt nicht zu denken. Nicht einmal die Berührung mit einem Stöckchen ließ sie sich gefallen. Vielleicht war sie einfach schon zu lange in dem einen Zimmer eingesperrt. Vielleicht litt sie auch unter dem ständigen Kommen und Gehen ihrer Artgenossen. So konnte ich sie jedenfalls nicht vermitteln. Wer nimmt schließlich eine Katze auf, die sich nicht anfassen lässt?

 

Im Spätsommer war Finja zum mir gekommen. Inzwischen ging es auf Weihnachten zu. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass die arme Wurst ganz bei mir bleiben müsste. Deshalb hatte ich ihr auch schon meinen Kater Pablo vorgestellt, indem ich die Tür einen Spalt öffnete, damit die Beiden sich beschnuppern konnten. Und siehe da: sie fanden sogar Gefallen an einander.

Kurz vor Weihnachten fanden sich schließlich doch Interessenten. Eine Familie aus dem Sauerland hatte bereits Erfahrung mit Streunern und suchte eine Gefährtin für ihre Katze. Eine der bereits erwachsenen Töchter schaute sich Finja an und fand sofort Gafallen an ihr. Ein paar Tage später kam sie mit ihrer Schwester noch einmal vorbei, und beide waren so begeistert, dass sie sich eine gute Stunde lang mit Finja beschäftigten und beschlossen, ihr im Sauerland ein neues Zuhause zu geben.

 

So blieb Finja gar nicht lange allein. Nur zwei Tage, nachdem das letzte "Birmchen" umgezogen war, brachte ich Finja ins Sauerland, wo sie in einem riesigen Haus viel Platz zum Spielen und Verstecken fand. Mit der Katze freundete sie sich schnell an, mit den Menschen tat sie sich schwer - wie zu erwarten war. Aber immerhin suchte sie die menschliche Nähe, indem sie sich ins Wohnzimmer schlich, um von dort aus das Geschehen zu beobachten. Die Familie hat Finja ins Herz geschlossen, wie sie ist, und will ihr alle Zeit der Welt lassen, die sie braucht, bis sie ihre Scheu ganz verliert.